October 26, 2021 Georg Krewenka

Mit dem MTB durch die Niedere Tatra

Ein Hauch von Wildnis

Seit Wochen hatten wir den Termin für ein gemeinsames Abenteuer reserviert. Der Termin war aber auch unsere einzige Vorbereitung. Als die Abfahrt näher rückte entschlossen wir uns kurzfristig für eine Tour Richtung Osten. Allzu oft reisten wir in der Vergangenheit für Natur und Abenteuer Richtung Süden und Westen.

Als ich zu meinem Freund Peter ins Auto stieg, hatte er das Navi bereits mit Banská Bystrica in der Niederen Tatra (Slowakei) programmiert.

Niedere Tatra wir kommen!

Während der Anfahrt recherchierten wir den Starpunkt für eine Mountainbike Tour und stoßen dabei rasch auf die Internetseite MTB Guides. Hier fanden wir ansprechend beschriebene Touren rund um Banská Bystrica. Als wir vor Ort ankamen und unsere Räder zusammenbauten, stand plötzlich ein Slowake mit seinem MTB neben uns. Rasch stellte sich heraus, dass er der Betreiber der Internetseite MTB Guides ist. Mit viele Liebe und Detail hatte er in den letzten Jahren MTB Trails rund um Banská Bystrica eröffnet und kartographiert.

Dass wir nun eigens aus Österreich anreisen um seine Trails nachzufahren freute ihn sehr und er bot uns gleich an, uns seine schönsten Trails zu zeigen.

So kamen wir an den Folgetagen in den Genuss eines persönlichen Bike Guides. Dank Juraj sahen wir wenig Asphalt, gut fahrbare Fahrwege am Weg hinauf und versteckte, flowige Downhills am Weg zurück ins Tal. Man merkte gleich, das Juraj die Gegend wie seine Westentasche kennt und so erfuhren wir nebenbei auch viel über Land und Leute.

Die Topologie der Niederen Tatra erinnerte uns oft an Gegenden wie der Wechsel im südlichen Niederösterreich. Anders als dort ist die Gegend der Niederen Tatra deutlich dünner besiedelt. Auf stundenlangen Ausfahrten begegneten wir nur einmal einem anderen Mountainbiker. Soviel unberührte Wildnis bietet auch einen ungestörten Lebensraum für Bären, und Wölfe. Die Bärenpopulation der Slowakei wird aktuell auf über 1.200 Tiere geschätzt. Bei einer Fläche die in etwa 60% der Fläche Österreichs entspricht.

So gesehen war ich mir nicht sicher, ob die Chance einem Braunbär zu begegnen größer ist, als einem MTBiker. Juraj spricht diesbezüglich aus Erfahrung. Bereits zweimal machte er auf einem Weg kehrt, als er plötzlich vor ein Bär seinen Weg kreuzte. In beiden Fällen verlief die Begegnung ohne Komplikationen. Die Erlebnisse haben aber merkbar Spuren hinterlassen.

Von Sensationsgeilheit ist bei ihm nichts zu merken, ganz im Gegenteil. Er versichert uns, “so eine Begegnung ist nicht schön” und man hat einfach nur Schiss. Deswegen sich aber erst gar nicht hinaus zu wagen ist aber keine Option. Zu schön und intensiv ist für ihn das Erlebnis der unberührten Natur.

Als wir währende einer Ausfahrt auf einer Anhöhe Pause machten, entdeckten wir in der Ferne einen großen dunklen Punkt, der wackelnd sich in uns näherte. Ob es sich dabei um einen Bären handelt konnten wir auf die Entfernung nicht ausmachen. Laut schreiend machten wir auf uns aufmerksam. Als Reaktion verändert sich der Punkt und ähnelte nun eher der Statur eines erwachsenen Menschen. Welcher nun seitwärts hinter einer Geländekante verschwand. Wir waren uns nicht sicher, ob wir eben einen Bären oder einen betrunkenen Wanderer gesichtet hatten.

Was bleibt sind viele Erlebnisse, freundliche Begegnungen und das Versprechen wieder zu kommen.

Zu entdecken gibt es in der Niederen Tatra noch jede Menge. Vielleicht nehmen wir beim nächsten Besuch die Krone von Banská Bystrica in Angriff. Ein epischer 3-tägiger Kammweg mit 150km und 5.200Hm.

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