Lawinen im “Hügelland”

March 17, 2010
March 17, 2010 Georg Krewenka

Vor 5 Jahren startete die ZAMG den Probebetrieb für den Niederösterreichischen Lawinenwarndienst. Erfreulicherweise ist daraus ein etablierter Dauerbetrieb geworden. Die aktuelle Lawinenwarnstufe für eine Region ist ein maßgeblicher Bestandteil einer jeden Tourenplanung. Der aktuelle Winter und seine bisherigen Lawinenunfälle, macht mehr denn je auf die Komplexität der Materie aufmerksam.
In den vergangen Jahren hat man mit Strategien wie “Stop or Go” versucht der steigenden Anhängerschaft von Skitourengeher ein Entscheidungskriterium an die Hand zu geben. Die gesamte Thematik bleibt nichts desto trotz kompliziert und Bedarf einer ernsthaften und intensiven Auseinandersetzung.

Meine Erfahrungen aus diesem Winter haben mich folgende 3 Dinge gelehrt:

Nie auf Tour ohne LVS

Nein das wird kein Outing. Als aktiver Bergretter habe ich mein LVS Gerät auch bei einer Pistentour mit im Gepäck, um im Ernstfall zu helfen oder im Genußfall bei einer Abfahrt außerhalb des gesicherten Skiraums mein Risiko zu minimieren. Viel mehr meine ich, dass ich zukünftig eine Skitour abbrechen werde, sollte ein Teilnehmer kein LVS Gerät bei sich tragen. Immerhin ist er/sie meine Lebensversicherung – darum nur mit LVS Gerät auf Tour!

Kameradenrettung

Unzählige Studien belegen es, wer in den ersten 15 Minuten von seinen Kameraden gefunden und ausgegraben wird, überlebt zu 82 Prozent (Studienerbenis). Vorausgesetzt das mechanische Sturzereignis ist nicht Todesursache. Gerade diese Gefahr ist im niederösterreichischem Hügelland eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Nahezu alle Skitouren starten/enden im bewaldeten Gebiet oder führen durch Holzschläge. Dies hat auch zum dem tragischen Unfall letztes Wochenende beigetragen.
Die Zeitschrift berg und steigen hat in ihrer letzten Ausgabe aufgezeigt, dass auch Gäste/Anfänger nach kurzer Einschulung (15 Minuten!) erstaunlich kurze Rettungszeiten erreichten. Darum umso mehr – Nie mehr mit Kamerad ohne LVS und ohne Know How auf Tour!

Bauchgefühl & Know-How
Mit dem entsprechendem Know-How lassen sich einflussnehmende Faktoren bewerten und das Risiko minimieren. Dazu gehört nicht nur die Kenntnis der aktuellen Lawinenwarnstufe, sondern auch ein Wissen über den bisherigen Verlauf des Winters. Mittels Newsletter lässt sich auch aus dem warmen Wiener Büro ein klein wenig ein Eindruck gewinnen, wie “draußen” der Schnee gefallen ist. Gerade in diesem Winter kommt dem Wissen über den Schneedeckenaufbau, ergänzend zur Stop or Go Stratgie, entscheidende Bedeutung zu. Dies wurde durch den Berg- und Schiführerverband auch sehr schön dargestellt (Lawinenzeit2010 – PDF)
Jeder hat es, das “Bauchgefühl”, aber nicht jeder nimmt es ernst und wahr. Gerade in Gruppen verlangt es nach einem gewissen standing, sein Bauchgefühl ohne jegliche Logik kund zu tun. Ein offener und kamaradschaftlicher Umgang in der Gruppe kann dabei lebensentscheidend sein. Darum sag was du denkst!

Ein gewisses Restrisiko wird immer bleiben, der bewusste Umgang damit ist (m)eine Lebenseinstellung.

Abschließend noch ein Buchtipp für den Know-How Aufbau 😉
Powderguide Lawinen: Risiko-Check für Freerider

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