Hoch & hinaus

September 5, 2011
September 5, 2011 Georg Krewenka

Mit steigender Dauer und Intensität, mit der man sich mit einer Sache auseinandersetzt, steigt auch der Level der objektiven Herausforderung. So gesehen war die Zeit reif, eigenverantwortlich einen 4000er in Angriff zu nehmen.
Da im heimatlichen Österreich kein Berg die magische Grenze überschreitet, trat ich dazu die Reise in die Schweiz an. Bei der Auswahl des Tourenziels half der Westalpenführer Hochtouren Westalpen und die Homepage www.4000er.de

Da wir nur zu zweit unterwegs waren, viel das Tourenziel auf einen spaltenarmen, mit großem Felsanteil gesegneten Berg, das Lagginhorn. Dieser liegt mit 4.010 Hm zwar nur knapp im Bereich der 4000er aber als erster Anfang schien er mir gerade recht.
Mit der letzten Bahn starteten wir in Saas Grund und fuhren bis zur Mittelstation Kreuzboden. Von dort sind noch etwas mehr als 300 Hm Aufstieg zur Weissmieshütte zu bewältigen. Das letzte Tageslicht nutzten wir noch für einen Erkundungsspaziergang auf den Möränenhügel vor der Hütte. Bis zu letzt hatten wir noch nicht entschieden, ob wir über den Normalweg oder im Zuge einer Überschreitung auf den Gipfel wollen. Nach intensivem Routenstudium und den wenig brauchbaren Infos des Hüttenwirtes entschieden wir uns letztendlich für die Überschreitung (Südgrat rauf, Westgrat runter). Mit ein Grund war, dass auf dem Normalweg mit deutlich mehr Verkehr und somit Steinschlag und anderen Gefahren zu rechnen war und die Kletterei über den langen Grat einfach verlockend war.

Ab der Mittelstation, hat man das Lagginhorn immer zentral im Blickfeld.

Mit Punkt 04 Uhr, waren wir und das ganze Lager wach, um 0450 starteten wir als zweite Seilschaft von der Hütte Richtung Lagginhorn. Beim anseilen am Gletscher konnten wir eine Seilschaft vor uns bereits kurz vorm Grat ausmachen. Diese hatte die Nacht im Zelt verbracht und startete etwas höher gelegen.
Einer der Höhepunkte der Tour war mit Sicherheit das erreichen des Lagginjoch (0700).
Auf der Ostseite des Grates, breitete sich ein lückenlose Wolkendecke vor uns aus, an deren Ende sich genau in diesem Moment die Sonne über den Wolkenhorizont schob.

Sonnenaufgang am Lagginjoch

Hier konnten wir auch die Steigeisen ablegen, verkürzten das Seil zwischen uns und konzentrierten uns auf die kommenden Kletterpassagen. Nach kurzer Zeit hatten wir die Seilschaft vor uns eingeholt und nutzen dies für eine kurze Rast und Trinkpause. Als wir nach neuerlichem Start innerhalb kürzester Zeit wieder auf diese aufliefen, überholten wir diese kurzerhand.

Erste Abseilstelle

Danach folgten zwei Abseilpassagen (max. 18m) und jede Menge tolle Klettermeter, mit moderaten Schwierigkeiten. Da man in der letzten halben/dreiviertel Stunde stets den Gipfel und somit das Ziel vor Augen hat, konnten wir uns zu keiner weiteren Pause hinreißen. Auf mittlerweile gut 3.900 Hm machte sich nun aber die Höhe, Kletterdauer und fehlende Flüssigkeit langsam aber sicher doch bemerkbar.

traumhafte Kletterei am Südgrat

Um 1130 standen wir letztendlich happy am Gipfel. Wir blieben gut 30 Min am Gipfel und hatten diesen zeitweise sogar ganz für uns alleine. Die noch nachkommende Seilschaft haben wir ab der ersten Abseilstelle nicht mehr gesehen.

Da für den Nachmittag Gewitter angekündigt waren, machten wir uns gegen 1200 bereits wieder an den Abstieg. Anhand der Anzahl der Fotos vom Abstieg lässt sich ein wenig die Attraktivität erkennen, wir machten kein einziges.
Dieser war auch im Nachhinein gesehen der gefährlichste Abschnitt der Tour. Einige gestrandete mit Seil und Steigeisen kämpfende Seilschaften (im Aufstieg!), gepaart mit Steinschlag und vereisten Firnflanken von bis zu 35 Grad ergaben ein Spannungsfeld das man nach Möglichkeit rasch verlässt.

Leider waren wir beim Abstieg dann etwas zu rasch unterwegs und liefen den falschen Spuren nach (zur höher gelegenen Bergstation der Seilbahn), diese zusätzlichen Meter verbuchten wir einfach auf der “sportlichen Trainingsseite”.

2/3 sind geschafft .. am Gipfel des Lagginhorn

Bei der Hütte sammelten wir unser zurückgelassenes Kleinzeug auf und stiegen zur Mittelstation der Bahn ab. Exakt 24 Std. später verließen wir um einiges an Erfahrung reicher und gesegnet mit einem tollen Gipfelerfolg Saas Grund. Liebes Wallis … wir kommen wieder!

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